20.01.09 [2 yrs]

Raum für junge Kultur

Von: Jochen Temsch | Süddeutsche Zeitung

Zu seinem Geburtstag hat das Feierwerk einen Wunsch: Die Stadt möge 400.000 Euro locker machen, dann könnte Münchens größter Ermöglicher von Kinder- und Jugendkultur auf seinem Gelände an der Hansastraße Gewerberäume in Ateliers umbauen. Dies gab der Geschäftsführer des Feierwerk e.V., Ernst Wolfswinkler, gestern bekannt. Insgesamt geht es um 22 Räume für junge Künstler aus klassischen Sparten wie der bildenden Kunst, aber auch um Arbeitsmöglichkeiten für Fotografen oder elektronische Musiker. Laut Wolfwinkler wäre dies nicht nur ein wichtiger Beitrag zur Linderung der Münchner Ateliernot, sondern auch zur "immer wieder neuen Positionierung" des Feierwerks, das von Januar an mit einer Veranstaltungsreihe 25-jähriges Bestehen feiert - aber laut Marktforschung in der Öffentlichkeit nicht in seiner ganzen Komplexität wahrgenommen werde.


1983 von einer Gruppe idealistischer Pädagogen gegründet, als der Begriff Jugendkultur noch ein Fremdwort war, hat sich das Feierwerk im Laufe der Jahre zu einem unersetzlichen Kulturpark mit riesigem Angebot in  verschiedenen Spielstätten entwickelt: In Dschungelpalast, Hansa 39, Kranhalle, Orangehouse und Sunny Red wird ein Programm vom Basteln mit Kindern über den Band-Wettbewerb "Sprungbrett" bis zu Konzerten und Clubnächten mit avancierter elektronischer Musik geboten. Mit Radio Feierwerk gibt es auch einen eigenen, von ehrenamtlichen Mitarbeitern betriebenen Radiosender. Ziel des Feierwerks ist dabei, Raum zum Ausprobieren, Mitmachen und für neue Netzwerke zu schaffen. Bands finden ihre erste Auftrittsplattform, Nachwuchs-Veranstalter können ihre Clubbing-Ideen umsetzen.


Trotzdem hat das am Geldtropf hängende Feierwerk bei aller pädagogischen Intention nicht den Ruf einer betulichen Betreuungseinrichtung. Jugendliche Besucher wie international agierende Künstler schätzen das Feierwerk als Ort, an dem junge Kultur produziert und präsentiert wird - und eine Kunst ist es allemal, über 25 Jahre hinweg das Schlagwort Jugendkultur immer wieder neu zu definieren, mit frischen Inhalten zu füllen und so bei der kritischen Klientel glaubwürdig zu bleiben. Entsprechend vielfältig ist das Jubiläumsprogramm, das am 6. Januar mit einem Konzert der latino-amerikanischen Hip-Hop Crew Delinquent Habits aus Los Angeles beginnt und im April mit einer 50-stündigen Party endet.

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